Die EU-Strategie gegen Plastikmüll löst keine Probleme

Plastikmüll 25. Januar 2018, 14:34 Uhr

Müll aus der Ostsee: In vielen Meeren landet immer mehr Plastik.

(Foto: Stefan Sauer/dpa)

In Europa bahnt sich ein Abfalldesaster an. Die Politik muss das Wegwerfen endlich teuer und unattraktiv machen.

Kommentar von Silvia Liebrich

Mallorca, Lieblingsziel vieler Deutscher, weiß sich nur noch mit Verboten zu helfen. Die spanische Insel leidet wie kaum eine andere im Mittelmeer unter dem anhaltenden Strom von Touristenmassen und deren Hinterlassenschaften. 500 000 Tonnen Müll fallen jährlich auf den Balearen an. Die Behörden wissen nicht mehr wohin mit dem Abfall. Ab 2020 soll deshalb unter anderem ein Plastikverbot gelten, das Einweggeschirr, Plastikfeuerzeuge, unnötige Verpackungen und vieles mehr von den Inseln verbannen soll. Das zumindest ist der Plan der Lokalregierung.

Die Region in Spanien würde mit solch strikten Regeln eine Vorreiterrolle innerhalb der Europäischen Union übernehmen. Die steht bei diesem Thema noch am Anfang. Gerade erst hat die EU-Kommission ihre Strategie im Kampf gegen den Plastik- und Kunststoffmüll vorgestellt. Bis 2030 sollen sämtliche Plastikverpackungen wiederverwertbar werden. Im Kern des Vorhabens geht es um mehr Recycling, weniger Abfall und bessere Kunststoffe. Aus dem Müll soll ein lukratives Geschäft werden. Dabei setzt Brüssel jedoch mehr auf freiwillige Lösungen und Selbstverpflichtungen der Industrie, weniger auf Verbote.

Gut an diesem Ansatz ist, dass er mehr Raum für Innovationen und Investitionen in neue Technologien und Infrastruktur lässt, als dies allein mit Verboten der Fall wäre. Dazu gehören bessere Trennsysteme und Verfahren, die es erlauben, echte Kreisläufe zu installieren. Genau daran mangelt es bislang. Zwar wurde das Recycling-Symbol - grüne Pfeile, die ein Dreieck bilden - bereits 1988 erstmals vorgestellt. Doch nach drei Jahrzehnten fällt die Bilanz ernüchternd aus. Europaweit fallen derzeit pro Jahr 26 Millionen Tonnen an Plastik- und Kunststoffmüll an. Im EU-Schnitt landen mehr als 70 Prozent davon auf Deponien, der Rest wird recycelt. Allerdings fällt darunter auch das Verbrennen, um Wärme und Energie zu gewinnen.

Im Vergleich zu anderen Mitgliedsländern ist Deutschland da schon weiter, die Recyclingquote liegt hier deutlich höher als in anderen EU-Ländern. Mit 37Kilogramm pro Kopf und Jahr halten die Bundesbürger allerdings auch einen Spitzenplatz beim Verursachen von Abfall. Prognosen zufolge wird sich die weltweite Produktion von Plastik bis 2050 gut vervierfachen. Das meiste davon wird nur einmal genutzt und dann weggeworfen - eine unverantwortliche Verschwendung von Ressourcen, die zulasten von Mensch und Umwelt geht. Geschieht nichts, schwimmen in den Meeren 2050 mehr Plastikabfälle als Fische, und der Erdölverbrauch für Kunststoff steigt von sechs auf 20 Prozent der weltweiten Förderung.

Eine neue Steuer hilft nicht, dafür ist das Müllproblem zu komplex

Für zusätzlichen Druck hat zuletzt China gesorgt, das seit Jahresbeginn keinen Plastikmüll aus Europa mehr annimmt. Immerhin galt das Land bisher als der wichtigste Abnehmer. Die Kommission muss schnell und entschieden handeln, will sie verhindern, dass der Müll in den ärmsten Regionen dieser Welt landet, in Afrika, Südostasien oder Südamerika, wo er neue unlösbare Probleme verursacht.

Will Brüssel den drohenden Müllkollaps in Europa verhindern, wird mehr nötig sein, als die nun vorgelegte Strategie. Diese bleibt in vielen Punkten vage und zielt zudem am Kern des Problems vorbei: Daran, dass der Plastikverbrauch dringend und deutlich gesenkt werden muss. Im Umgang mit Kunststoffen ist ein grundsätzliches Umdenken notwendig, auch weil die dafür benötigten Rohstoffe, egal ob fossil oder nachwachsend, begrenzt sind. Plastikprodukte verursachen hohe externe Kosten, die im Warenpreis nicht enthalten sind. Dazu gehören hohe Treibhausgasemissionen, vermüllte Ozeane und gesundheitliche Schäden.

Alternativen sind notwendig

Es ist die Politik und nicht die Wirtschaft, die dafür sorgen muss, dass das Wegwerfen von Plastik teuer und unattraktiv wird. Ziel muss es sein, den Verbrauch insgesamt deutlich zu senken. Ein Mix aus Vorgaben und Anreizen muss dabei helfen, die Nutzungsdauer von Plastik- und Kunststoffprodukten deutlich zu verlängern. Darüber hinaus muss ausgelotet werden, wo ein Verzicht möglich ist, etwa bei unnützen Verpackungen.

Ein umwelt- und ressourcenschonendes Müllmanagement ist komplex. Es bedarf kluger, effizienter und flexibler Lösungen, die Politik und Industrie nun mit voller Kraft gemeinsam entwickeln müssen. Eine Plastiksteuer, wie sie etwa EU-Kommissar Günther Oettinger fordert, hilft dabei kaum weiter, auch, weil sie allein keine Steuerungsfunktion hätte. Am Konsumverhalten kann sich nur dann etwas ändern, wenn es Alternativen gibt. Sonst bleibt alles beim Alten, und die Müllberge wachsen immer weiter.

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Bio-Lutions: Kompostierbare Verpackungen aus regionalen Pflanzenresten

1. November 2017von Nadja Ayoub Kategorien: Umweltschutz

Foto: © Bio-Lutions

Plastikmüll ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit – ein großer Teil des Mülls stammt dabei von Verpackungen. Das Unternehmen „Bio-Lutions“ hat eine vielversprechende Lösung entwickelt: Kompostierbare Verpackungen aus Pflanzenresten.

„Die ersten Einwegartikel, die man sorgenfrei nutzen kann“ – so bezeichnet „Bio-Lutions“ seine Produkte aus Pflanzenmaterial. Neben Verpackungen stellt das Unternehmen auch Einweggeschirr aus Pflanzenfasern her.

Nachhaltigkeit steht dabei im gesamten Prozess an erster Stelle: Bio-Lutions verwendet nur Agrarabfälle, also die Pflanzenbestandteile, die in der Landwirtschaft ohnehin anfallen und nicht mehr anderweitig genutzt werden. Das Material soll außerdem regional produziert werden. Je nach Region kommen also auch unterschiedliche Planzenfasern zum Einsatz – in Deutschland sind das zum Beispiel Tomaten-, Paprika-, Zucchini-, Hopfen- und Hanfpflanzen sowie Ströhe und Gräser.

Wenn die Verpackungen oder Geschirrteile ausgedient haben, können sie laut Bio-Lutions innerhalb von zwölf Wochen kompostiert werden. Das Material lasse sich außerdem für die Produktion von Biogas nutzen, recyceln oder nahezu klimaneutral verbrennen.

Keine chemischen Zusätze

Für die Herstellung des pflanzlichen Materials nutzt Bio-Lutions ein patentiertes Verfahren: Im ersten Schritt werden die Pflanzenreste gereinigt, zusammengepresst und konserviert. Anschließend verarbeitet Bio-Lutions die Fasern zu selbstbindenden Nanoteilchen.

Eine Verpackung für Auberginen. (Foto: © Bio-Lutions)

Dieses Grundmaterial wird dann geformt und getrocknet und zum Schluss zugeschnitten. Im gesamten Prozess kommen dabei keine chemischen Zusätze zum Einsatz, schreibt Bio-Lutions auf der Unternehmenswebseite.

Verschiedene Designs

Die Basis-Verpackung eignet sich laut Bio-Lutions für trockene Lebensmittel, aber auch für Produkte wie elektronische Geräte. Für Produkte, die eine wasserfeste Verpackung brauchen, fügt Bio-Lutions noch eine Laminierung aus Bio-Plastik hinzu.

Verpackungsdesigns von Bio-Lutions. (Foto: © Bio-Lutions)

Ein Blick auf die verschiedenen Design-Konzepte auf der Webseite zeigt, wohin die Reise mit den pflanzlichen Verpackungen hingehen soll: Von Obst- und Gemüsebehältnissen über Kaffeekapseln, Seifenspender, Cremedosen, Pralinenschachteln und Joghurtbehälter ist alles Mögliche dabei.

Erste Fabrik in Indien

Mit den Verpackungen und dem Einweggeschirr aus Pflanzenfasern will Bio-Solutions dazu beitragen, unseren exzessiven Verbrauch an Erdöl, Plastik oder Zellulose zu reduzieren. Die Herstellung des Materials sei außerdem deutlich energie- und wassersparender, als etwa die Herstellung von Zellulose.

Für das Konzept wurde Bio-Lutions bereits mehrfach ausgezeichnet. In diesem Jahr erhielt das Unternehmen den deutschen Verpackungspreis in der Kategorie „Nachhaltigkeit“, sowie den Preis für das beste „Bio-based Material of the Year 2017“ des Nova-Forschungsinstituts. Nach einer Testphase in China im vergangenen Jahr hat Bio-Lutions diesen Januar die erste Fabrik in Bangalore (Indien) eröffnet. 2018 sollen Fabriken in anderen Ländern folgen.

Copyright © 2018 Ursula Neumann
Stand: 25.02.2019

Nun Podden wir alle - und wie schön ist das

Die Werbung zeigt uns nun jeden Tag, wie schön podden ist! Immer rein mit den Plastik-Tabs in die Maschinen. Nur das Plastik löst sich nicht in Luft auf. Es bleibt im Wasserkreislauf und irgendwann trinken wir es im Wasser wieder, aber auch Biertrinker bleiben nicht davon verschont. Also auf in das Zeitalter Plastozän.

"Mikroplastik gelangt zu Millionen Tonnen in die Meere. Auch in Flüssen und Seen wurde es nachgewiesen. Mittlerweile ist auch evident, dass Mikroplastik mit dem Klärschlamm auf Felder aufgebracht wird. Es wurde bereits in den Mägen diverser Meeresbewohner nachgewiesen. Aber auch in Mineralwasser, Honig und Bier. Zuletzt im Kot von Menschen – somit ist davon auszugehen, dass viele von uns Plastik in sich tragen. Und das Mikroplastik gibt seine chemischen Inhaltsstoffe – wie Bispheol A und Weichmacher – in Gewässern und Lebewesen frei. Diese können Krankheiten von Krebs bis Adipositas hervorrufen.

Mikroplastik erobert unseren Planeten. Mit dem Mikroplastik hat das Plastozän – das Plastikzeitalter – endgültig Einzug gehalten.

Die Organisation Plasticontrol setzt sich seit 2007 auch aktiv gegen Mikroplastik ein. Als weltweit erste Organisation.

Während in vielen Ländern – von den USA bis Schweden – Mikroplastik verboten wurde, ist dieses in Deutschland nicht absehbar. "

EU verbietet Einweg-Plastik:

19.12.2018 - 2 Jahre soll es dauern bis dieses Verbot in ein Gesetz umgesetzt wird! Warum dauert dies solange? Liebe Regierung - Es ist schon 5 nach 12 - wenn wir innerlich plastiniert sind, brauchen wir das Gesetz nicht mehr - bei anderen Gesetzen oder Verboten (Atomausstieg, Fahrverbot für Dieselfahrzeuge) geht es doch auch schneller!

Vorbild ist Ruanda - Dort gibt es ein Plastik - Verbot seit 10 Jahren!