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Stand: 15.03.2019

Zehn Fakten zur Vernachlässigung

So verspielt Deutschland die Zukunft seiner Kinder

Viele Berliner Spielplätze wie dieser in Pankow sind in schlechtem Zustand

Foto: Ralf Lutter

Obwohl es Deutschland ganz gut geht, wie es oft heißt, geht es den Kindern in vielen Bereichen schlecht und immer schlechter. Das zeigt der Kinderreport 2018 des Deutschen Kinderhilfswerks.

Mehr als 13 Millionen Kinder leben in Deutschland, gehen hier zur Schule, in die Kita oder auf den Spielplatz. Bei der Vorstellung des Reports am Freitag zeigte sich einmal mehr, wie die Zukunft der Kinder verspielt wird. „Derzeit ist jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut betroffen, eine erschreckend hohe Zahl für eine der reichsten Industrienationen der Welt“, sagte Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann. Wie er sind 72 Prozent der Erwachsenen und 77 Prozent der Kinder selbst der Meinung, dass für sie „wenig“ bis „sehr wenig“ getan wird.

  

B.Z. fasst die 10 größten Probleme der Kinder in der Bundesrepublik zusammen:

Sanierungsstau: Etwa 34 Milliarden Euro müssen in die Sanierung von Schulen investiert werden. Union und SPD einigten sich darauf, im Falle einer neuen GroKo knapp zehn Milliarden Euro zusätzlich in die Bildung zu investieren. Das Kooperationsverbot, das dem Bund eine Einmischung in Ländersachen untersagt, soll im Falle von Schulinvestitionen aufgehoben werden. Auch viele Spielplätze befinden sich in einem desolaten Zustand.

Lehrermangel: Die jüngste Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt die Brisanz: Bis 2015 werden bundesweit allein rund 105.000 Grundschullehrer gebraucht, aber nur 70.000 Lehramtsstudenten werden dann fertig sein, 35 000 werden fehlen. Grund: Zu wenige Studienplätze, höhere Geburtenrate und Zuwanderung.

Kita-Plätze: Seit 2013 steht jedem Kind ab dem ersten Lebensjahr ein Platz zu, noch immer fehlen mehr als 200.000 Plätze für Kleinkinder. 2017 beschloss der Bund die Schaffung von weiteren 100.000 Plätzen, aber dadurch steigt nicht auch die Betreuungsqualität. Laut Bertelsmann-Stiftung kamen 2015 in ehemaligen Ost-Ländern 6,4 Kinder auf einen Erzieher, pädagogisch sinnvoll wären drei.

Ganztagsschulen: Union und SPD beschlossen, dass sie sich mit zwei Milliarden Euro für einen Rechtsanspruch für eine Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern einsetzen wollen. Aber Bildung ist Ländersache, erst müsste das Grundgesetz geändert werden.

Übergewicht: Deutsche Kinder werden immer dicker: Während Mitte der 70er etwa drei Prozent der Kinder fettleibig waren, sind es heute rund elf Prozent der Jungen und knapp sieben Prozent der Mädchen. Die Gründe sind laut WHO zu viel Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Lebensmittel und zu wenig Bewegung. Die geplante Lebensmittelampel gibt es noch immer nicht.

Zu wenige Sportmöglichkeiten: Die Kinder bewegen sich viel zu wenig, Bolzplätze um die Ecke sind Mangelware. Bei den 231 441 offiziellen Sportstätten herrscht laut Deutschem Olympischen Sportbund ein Sanierungsbedarf von mindestens 42 Millionen Euro. Die Ausstattung mit nötigen Sportsachen sind für ärmere Familien kaum zu bezahlen.

Internetsucht: Kinder sitzen viel zu lange vor Handy und Computer, haben dort Zugang zu jugendgefährdenden Inhalten im Internet. Killerspiele, Porno-Seiten sind auch für 14-Jährige aufrufbar, wirksamen Jugendschutz im Netz gibt es nicht. 70 Prozent der Kinder im Kita-Alter nutzen laut einer Studie der Bundesdrogenbeauftragten das Handy ihrer Eltern länger als eine halbe Stunde am Tag, 90 Prozent ohne jede Kontrolle. 600 000 Jugendliche gelten als internetabhängig.

Leseschwäche: Es wird zu wenig darauf geachtet, dass Kinder lesen. Immer mehr Jugendliche wachsen in Haushalten ohne ein einziges Buch auf. Das schlägt sich in den IGLU-Erhebungen nieder: Knapp ein Fünftel der deutschen Viertklässler (18,9 Prozent) kann nicht richtig lesen.

Zu wenig Geld: Der Hartz-IV-Satz für Minderjährige beträgt maximal 311 Euro, wird aber mit dem Kindergeld verrechnet. Und während Erwachsene einen Grundfreibetrag bei der Steuer in Höhe von 9000 Euro pro Jahr haben, beträgt der Freibetrag für Kinder lediglich 7428 Euro. Verschiedene Verbände fordern deshalb eine Kindergrundsicherung von 537 Euro für jedes Kind, egal in welcher Familie.

Sexueller Missbrauch und Gewalt: Viel zu oft wird von Erwachsenen weggeschaut. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass in Deutschland rund eine Million Kinder Opfer sexueller Gewalt sind – ein bis zwei Schüler pro Klasse! Und rund 15 Prozent der Eltern prügeln ihre Kinder, obwohl das natürlich verboten ist.

  

2. Februar 2018 22:21 Aktualisiert 22:22

Bereich: Deutschland

Themen: KinderNachrichten

 

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Quelle:

Kinderarmut durch politische Rahmenbedingungen bekämpfen

Um Kinderarmut effektiver zu bekämpfen, sollte man lieber, einkommensschwache Familien und deren Kinder besser unterstützen - zum Beispiel mit Lehrmittelfreiheit, kostenfreien Beteiligungsmöglichkeiten an Bildung, Kultur und Sport sowie kostenlosen Ganztagsbetreuungen in Schulen und Kindergärten inklusive einem kostenfreiem Mittagessen. Dies wäre sicher wirkungsvoller als eine Erhöhung des Kindergeldes um 25 € bis 2021.

Liebe PolikerInnen denkt daran, die heutigen Kinder bezahlen eure Rente!