Das heutige Deutsch

Die heutige hochdeutsche Aussprache ist immer noch im Wandel, sie ist nicht amtlich festgelegt wie z.B. im Französischen durch die "Academie francaise". Erst seit es die Massenmedien (Rundfunk und Fernsehen) gibt, haben wir einheitliche Hörbeispiele der Aussprache. Besonders gute und vorbildliche Aussprache des Hochdeutschen finden wir heute im "Bühnendeutsch" und im Synchron: großartige Schauspieler wie Claus Biederstedt (Humphry Boghard, Columbo u.v.a.), Peer Schmid, Harald Juhnke, Manfred Lehmann (J.P. Belmondo u.v.a.), Thomas Braut, Christian Brückner, Matthias Habicht, Peter Schiff, Arnold Marquis, Volker Brandt und andere, deren Namen das Publikum kaum registriert, sprechen vorbildliches Bühnendeutsch, besser: Mikrophondeutsch, von dem der Nachwuchs lernen sollte. Auch Nachrichtensprecher in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD (Jan Hofer usw.) und ZDF, in einigen privaten Fernsehprogrammen dagegen geschieht eine Sprachverhunzung ("zusammengekommt", "gevereingt", "Denkmäler" statt "Denkmale", Feuerwehrmänner statt Feuerwehrleute, Kaufmänner statt Kaufleute und andere geschlechtergerechte Sprache - Anpassungen, Stadium statt Stadion und umgekehrt und sinnloses denglisch wie seit neuestem "producer" - Produker? - statt Produzent und andere denglische Sprachmonster). Andererseits ist es erstaunlich, wie mancher Prominente, wie beispielsweise Eckhart Tolle, der Jahrzehnte nicht mehr im deutschen Sprachraum zu Hause war, nach seiner Rückkehr vor seinem Publikum fast nichts vergessen zu haben schien, hervorragendes Deutsch sprechen.

Außerdem wird genäselt und maniriert gesprochen. Hier ist die Beherrschung und Aussprache des Deutschen auf das unterste Niveau gesunken, abgesehen von wenigen Ausnahmen (vielleicht Ulrich Meyer u.a.), besonders weil da auch mehr "gesungen wird und nicht gesprochen". Um so mehr bräuchten wir endlich eine deutsche Instanz, die diese Aussprache und auch die Rechtschreibung unabhängig von der Gesetzgebung überwacht und festlegt wie etwa die „Académie française“, in England sind dies eher Wissenszentren wie Cambridge oder Oxford. Der Verein der deutschen Sprache setzt sich ein für eine Deutsche Akademie in diesem Sinne (Rolf Hochhuth). Gutes Hochdeutsch hören wir auch bei den Nachrichtensprechern (nicht immer bei den Redakteuren bzw. Kommentatoren, auch nicht bei den Reportern) der ARD und des ZDF, bei vielen Privatsendern wird leider furchtbares Deutsch gesprochen, meistens wird genäselt oder künstlich betont und gesungen („FilmFilm“ - in „Saddaaaaains“), ganz zu schweigen von Berlin-TV, wo ich einen Reporter dauernd vom „Olympiastadium“(anstatt „Stadion“) sprechen hörte . Leider hat auch die Werbung vorwiegend singenden und näselnden Charakter und bedient sich eines Schimpansendeutschs, die einem um die deutsche Sprache bemühten Zuhörer das Grauen lehrt. Um so mehr wäre eine "Deutsche Akademie" vonnöten, wie sie z.B. auch Rolf Hochhuth einfordert.

 

Quelle:

Ganz abgesehen vom Seitenhieb auf die Philosophinnen und Philosophen: Selbst in der Philosophie wird sich die Kenntnis der deutschen Sprache in Bälde als obsolet erweisen. Vielerorts wird sie nämlich sukzessive, und ohne viel Aufhebens, durch die englische ersetzt. Die Gründe finden sich im Wahnsinn der Industrialisierung und der rücksichtslosen Ökonomisierung der Wissenschaften. Universitäten stehen im gnadenlosen Wettbewerb um die »besten Köpfe« und die größten Budgets und buhlen hemmungslos um die Gunst großer, internationaler Konzerne. Wer in diesem Industriezweig die erste Geige spielen will – was dem Anschein nach alle wollen – der muss international aufgestellt sein; der muss aber vor allem markttauglich sein und am Markt spricht man – warum auch immer – Englisch. Doch die schleichende Abschaffung der deutschen Sprache an deutschsprachigen Philosophieinstituten ist hinterhältiger Mord: Sie tötet nämlich die deutschsprachige Philosophie.

 

Man begeht einen schweren Fehler, wenn man glaubt, es wäre einerlei, ob in deutscher, englischer oder sonst irgendeiner Sprache geschrieben wird. Denken und Sprache bilden nämlich weithin eine Einheit. Eine Sprache ist niemals nur ein Instrument zur Artikulation von Gedanken, sondern Denken vollzieht sich unhintergehbar in einer Sprache. Und in keiner anderen Sprache kennen wir uns so gut aus, wie in der eigenen. In ihr organisieren wir nicht nur die Außenwelt, die uns gegenübersteht, sondern auch unsere Innenwelt. In ihr liegt nicht nur der Entwurf unserer Charaktere, sondern auch das Vermögen, uns im Leben zu orientieren. Von Kindesbeinen an beziehen wir auf diese Weise Stellung, nehmen Bezug auf Welt und Mensch. Ausnahmen mögen vielleicht jene sein, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen, doch selbst unter diesen scheint es Präferenzen zu geben: eine Bevorzugung der einen gegenüber einer anderen Sprache. Philosophie und philosophische Weltdeutung, mithin der Versuch die Welt denkend zu verstehen, sind radikal an Sprache gebunden. Wer die deutsche Sprache als Philosophensprache eliminiert, der eliminiert daher nicht nur ein beliebig austauschbares Instrument der Artikulation, sondern die Einzigartigkeit eines Denkens, eines bestimmten, eng umrissenen philosophischen Blicks auf Welt und Mensch, den es nur in dieser Sprache gibt. Denn in jeder anderen Sprache ist das Denken qua Sprache ein anderes, der Blick von diesem Blick verschieden. Obschon Ludwig Wittgenstein in seiner logisch-philosophischen Abhandlung etwas anderes meinte, erlaube ich mir dennoch, die Bedeutung seiner Worte auszuleihen, um das gesagte zuzuspitzen: Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner philosophischen Welt. Und diese Grenzen sind unaufhebbar. Die Philosophie der einen Sprache ist notwendig verschieden von der Philosophie der anderen. Sie lässt sich darin nicht wiederholen.

Einem weiteren Irrtum unterliegt, wer glaubt, man könnte Sprachen ohne Weiteres in andere Sprachen überführen. Das mag dort der Fall sein, wo es lediglich darum geht, einen groben Bedeutungszusammenhang zu vermitteln. Doch im Fall feingliedriger, hochabstrakter philosophischer Denkgebäude, die von jedem einzelnen Ausdruck und zugleich von ihrer Gesamtheit getragen werden, und wo selbst das vermeintlich Unbedeutende eine tragende Rolle spielt, ist das unmöglich. Übersetzungsakte verändern das Gebäude irreversibel, selbst dann, wenn der Übersetzter das zu Übersetzende selbst hervorgebracht hat. Wie hat es der große österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard ausgedrückt: Ein übersetztes Buch ist wie eine Leiche, die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt worden ist.

Es gibt keinen Ausweg: Wer der deutschen Philosophie die Sprache nimmt, bringt sie um. Das mag für den Fortgang der Wissenschaften belanglos sein. Man muss sich aber in aller Deutlichkeit vor Augen führen, dass dieser besondere Blick, der unumgänglich an diese Sprache gebunden ist, verloren geht.

Autor: Bernd Waß
Bild: Die Zeit, Nr. 13/2017 
Diskussionsbeiträge bitte an: b.wass@academia philosophia.com

 

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Wohlgefühl, Erholung

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Nagel, Fingernagel

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Strafstoß, Strafe

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Haftnotiz

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Reise

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vegetarischer Tag

Denglisch - nein danke! Einige Kernthesen:

1. Die Deutsche Sprache ist ein Kulturgut wie z. B. Musik und Bildende Kunst. Dieses Kulturgut gilt es zu bewahren!  
2. Besonders Kulturschaffende wie Moderatoren in Hörfuk und Fernsehen, Journalisten, Verantwortliche in Kulturbetrieben sollten dieses Kulturgut pflegen und sich nicht an dessen Verhunzung beteiligen!
3. Die Anglomanie mit Überflutung der deutschen Sprache mit anglizistischen und denglischen Begriffen insbesondere in der Werbung und in den Medien wird von einer großen Mehrheit der Bürger abgelehnt. 
4. Oftmals werden die anglizistischen und denglischen Werbebegriffe und Produktnamen auch nicht verstanden. Die Werbung geht ins Leere! In derart werbenden Betrieben und derartig beworbene Produkte sollten nicht gekauft werden. Wer mit Anglizismen und Denglisch wirbt, hat was zu verbergen! 
5. Auffällige Sünder sind pleitenahe Firmen (wie Karstadt - Sprachpantscher 2012 -), ehemalige Behörden (wie Telekom mit teils unverständlichen Produktbegriffen), öffentliche Einrichtungen, während (kluge?) amerikanische Firmen teilweise sprachlich längst zurückrudern. 
6. Die Ablehnung der Verhunzung der Deutschen Sprache richtet sich nicht gegen Englisch als Weltsprache in einer globalisierten Welt. Jedes Kind sollte frühzeitig Englisch lernen.
7. Es ist auch nicht abzulehnen, in Zentren von Städten mit hohem Anteil ausländischer Besucher (wie in der Kölner Innenstadt) diese mit Werbung in Englisch anzusprechen, aber dann so, wie die Franzosen das praktizieren, nämlich zweisprachig und nicht mit denglischem Kauderwelsch.

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Copyright © 2018 Ursula Neumann
Stand: 05.03.2019