Copyright © 2018 Ursula Neumann
Stand: 18.03.2019

Leben in der DDR

Unterschied zwischen dem Leben in der DDR und heute: in der DDR hatte ich Geld und es gab nichts zukaufen, heute könnte ich alles kaufen und habe kein Geld.

 Hier ein Gedicht aus den 80-ziger Jahren:

Einkaufsmöglichkeiten 

1985 hatte meine Tochter Jugendweihe. Sie mochte kein Kleid, es sollte eine schicke schwarze Hose sein. Fertig zu kaufen gab es diese aber nicht. Also musste ich Stoff kaufen, und  die Hose nähen lassen. Ich nutzte also eine Urlaubstag, um den Stoff zu kaufen. Im Warenhaus am Alexanderplatz eilte ich gleich nach de Eröffnung in die Stoffabteilung, wo es auch wirklich einen Ballen des gesuchten Stoffes gab. Nur leider war ich nicht schnell genug, eine Vietnamesin kaufte den ganzen Ballen. Beim zweiten Versuch habe ich dann den gesuchten Stoff bekommen. Ich brauchte also 2 Urlaubstage um 3 m eines bestimmten Stoffes zu bekommen.

 

Im Sommer 1988 machten wir Urlaub in  Klausdorf südlich von Berlin. Eines Tages machten wir eine Wanderung. In einen Nachbarort wollten wir für die Kinder ein Eis kaufen. Die Regale im Dorfladen waren äußerst spärlich gefüllt. Es war Ende Juni und im Obst und Gemüse Regal fristeten 2 einsame Weißkohlköpfe ihr dasein. Eis bekamen wir natürlich auch nicht. Mich beschlich eine leise Ahnung, das es so nicht weiter gehen konnte.

 

Arbeitsplatzgarantie 

Nach meinen Studium als Informatikerin, konnte ich dann im Maschinellen Rechnen Berlin anfangen zu arbeiten. Im ersten Jahr hat es mir auch sehr gut gefallen. Dann wurden alle Mitarbeiter  auf Westkontakte überprüft. Die Geschwister meines Vaters lebten alle in Schleswig-Holstein und ich weigerte mich eine Erklärung zu unterschreiben, das ich den Kontakt zu Ihnen abbreche. Keine Karte mehr zu Weihnachten oder zum Geburtstag, wie sollte ich das meinen Tanten erklären. Darauf wurden die Mitarbeiter in zuverlässig und nicht zuverlässig eingeteilt. Die Zuverlässigen bekamen einen eigenen Arbeitsbereich und der Zugang zu ihren Räumen  wurde mit einer Sicherheitstür gesichert, die nur mit Hilfe eines Codes geöffnet werden konnte. Wir Unzuverlässigen bekamen auch Aufträge, jedoch wurden diese dann nach 2-3 Monaten widerrufen. Einer nach den anderen suchte sich dann eine neue Arbeit. Die Wasserwerke brauchten zum Glück auch Informatiker.

Kinderbetreuung

Kindergärten und Kinderkrippen hatten von morgens 6.00 Uhr bis abends 18.00 geöffnet, so das man es bei einer Tätigkeit in Normalschicht, selbst bei einem 1-stündigen Arbeitsweg, gut hin bekam, Vollzeittätigkeit und Kinder zu vereinbaren. Heute wird immer wieder behauptet, die Kinder wären schon in diesen Einrichtungen zu sozialistischen Staatsbürgern erzogen worden. Dies wurde zwar von der Parteiführung immer behauptet, die Realität sah aber anders aus. In keiner der Einrichtungen, die ich kennen gelernt habe, wurde auf die Kinder politisch eingewirkt. Wobei ich nicht ausschließen möchte, das es dies nicht auch gegeben hat.

So demokratisch: "In der DDR durften die doch auch wählen!"

 

Wählen ja, man musste sogar. Wer bis 14 Uhr noch nicht wählen war, wurde zu Hause aufgesucht und ihm wurde nahegelegt, doch nun endlich das Wahllokal aufzusuchen. Dafür wurden auch Kinder  "Pioniere" eingesetzt. Gingen die Leute nicht zur Wahl oder suchten Sie im Wahllokal die Wahlkabine auf, geriet man in das Visier der Stasi.

Fast schockiert stellt der Forscher eine "gewisse Geschichtslosigkeit" fest. Er hat eine Ahnung von Schulklassen bekommen, die keinen Bezug zur eigenen Historie haben und den Wert einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft weder kennen noch fühlen. "In der DDR hatten die doch auch Wahlen, das ist dann ja auch irgendwie demokratisch", hatte ein Schüler aufgetrumpft.

Was Schroeder und sein Team dafür vorfanden, war eine starke Konsum-Orientierung. Als große Nachteile der DDR sahen viele Schüler zum Beispiel die mangelnden Einkaufs- und Reisemöglichkeiten. Als Vorteile des SED-Staates nannten sie dafür die Arbeitsplatzgarantie und die Kinderbetreuung. "Die Qualität dieser Errungenschaften wurde aber überhaupt nicht hinterfragt", kritisiert der FU-Forscher. Er gewann eher den Eindruck, dass das Hochhalten der "sozialen" DDR etwas mit den eigenen diffusen Zukunftsängsten der Mädchen und Jungen zu tun hatte. "Viele mögen es bequem. Sie wollen gute Jobs und Wohlstand, aber bitte alles serviert. Richtig anstrengen wollen sie sich dafür nicht." In Ostberlin war der Wunsch, dass sich der Staat um alles Nötige kümmern möge, ausgeprägter als im Westen.

 

Nach all diesen Schocks mag es für die Forscher schon beruhigend gewesen sein, dass fast alle Schüler die deutsche Wiedervereinigung begrüßten und die Mehrheit auch hinter dem System der Bundesrepublik Deutschland stand.

In Berlin war die Verssorgungslage im Vergleich zur restlichen DDR ja noch gut. Trotzdem erledigte ich meinen Wochenendeinkauf Donnerstags oder Freitags morgens um 6 Uhr vor der Arbeit, die begann um 7 Uhr, in der Markthalle am Alexanderplatz. Da konnte ich davon ausgehen, das ich noch das bekomme, was ich brauchte, abends konnte es passieren, das man keine Milch oder etwas anderes mehr bekam.

Filme über das Leben in der DDR:

Leben in der DDR | Das Leben im geteilten Deutschland Dokumentation 2016 [NEU + HD]

 

Deutschland - Wie die DDR wirklich war1 - deutsch

 

Deutschland - Wie die DDR wirklich war2 - deutsch

 

Deutschland - Wie die DDR wirklich war3 - deutsch

 

Deutschland - Wie die DDR wirklich war4 - deutsch

 

Die Geschichte der DDR von 1945 bis 1961

 

Die Geschichte der DDR von 1962 bis 1990

 

Das war die DDR - Teil 1/2 (Doku)

 

Das war die DDR - Teil 2/2 (Doku)

 

Berliner Mauer - 9.November 1989 - Die Nacht, in der die Mauer fiel.

Der schönste Irrtum der Geschichte - Fall der Mauer

 

Das historische Versehen 09. November 1989

 

Das historische Versehen Teil 2 09. November 1989

Einkaufen, tauschen, besorgen, erfinden

Es gab alles - nur nicht immer, nicht überall und schon gar nicht, wenn man es brauchte. Mit Selbstversorgung, Schlangestehen, "Bückware" und Erfindungen mussten sich die Menschen in der DDR 40 Jahre lang mit der Mangelwirtschaft arrangieren. Deshalb galt als Lebensregel: Immer erst anstellen, dann fragen, was es gibt.

Bildrechte: MDR/Mahmoud Dabdoub

 

In den 1950er-Jahren musste niemand mehr hungern. 1958 wurde die Rationierung der Lebensmittel in der DDR beendet, die Lebensmittelkarten verschwanden. Doch 1961 räumte selbst die SED ein, dass die Versorgungslage bei Fleisch, Butter und Milch schlecht war. In den 1970er-Jahren kam es vorübergehend zu einer Verbesserung. Die Grundnahrungsmittel wurden staatlich subventioniert und deren Preise künstlich niedrig gehalten.

Neben den normalen Konsum- und HO-Geschäften (HO=Handelsorganisation) entstanden spezielle Exquisit- und Delikat-Läden, wo die DDR-Bürger ihr Geld für schicke Kleidung bzw. begehrte Nahrungsmittel ausgeben konnten. Mangelwaren wie z.B. Südfrüchte wurden aber auch "unter dem Ladentisch" als "Bückware" verkauft oder gegen dringend benötigte andere Waren getauscht.

Auf sogenannte langlebige Konsumgüter wie Farbfernseher, Waschautomaten, Kühlschränke musste man wegen der Versorgungsschwierigkeiten manchmal jahrelang warten und diese teuer bezahlen. Wer aber Westgeld besaß, konnte im Intershop fast alles kaufen und ersparte sich so das Schlangestehen und die Rennerei. Doch dieses Privileg hatte nicht jeder. Manche freuten sich auch auf Pakete der Westverwandtschaft.

Ein Ergebnis der Mangelwirtschaft war, dass Erfinder und Bastler in der DDR unter dem Motto: "Geht nicht, gibt's nicht!" notgedrungen zur Höchstform aufliefen.

 

War die Stasi nicht so was wie die CIA?

Die DDR eine Diktatur? Nicht wirklich, glauben mehr als die Hälfte der deutschen Schüler und halten die Stasi für einen ganz normalen Geheimdienst. Ob Ost oder West, die Kenntnis über diesen Teil der Geschichte ist - gelinde gesagt - extrem lückenhaft. Und die Mauer haben doch die Amis gebaut. Oder nicht? 

 

Die Alliierten haben 1945 die Berliner Mauer gebaut und die Stasi war ein Geheimdienst wie jeder andere auch. Die DDR war keine Diktatur, sondern ein soziales Paradies und Helmut Kohl einer ihrer bekanntesten Politiker. Als Wissenschaftler der Freien Universität (FU) Berlin fast 18 Jahre nach dem Mauerfall für eine große Studie von Hauptstadt-Schülern diese Antworten erhielten, waren sie nicht nur überrascht. Sie waren zutiefst entsetzt. Denn die Jugendlichen machten keine Witze, sie wussten es schlicht nicht besser. Weder Lehrer noch Eltern seien wohl in der Lage, den Teenagern ein objektives Grundwissen über die jüngste deutsche Geschichte zu vermitteln, kritisiert FU-Forscher Klaus Schroeder. So lebe die DDR als sozial verklärte und politisch verharmloste Gesellschaft fort.

Es mag für die Forscher nur ein schwacher Trost sein, dass viele der haarsträubenden Antworten auf völliger Unwissenheit beruhen - und nicht etwa auf Überzeugung. So gab rund ein Viertel aller befragten Schüler an, dass die DDR keine Diktatur gewesen sei, sondern sich die Menschen wie überall anpassen mussten. Ein weiteres Viertel würde auch auf Freiheitsrechte verzichten, wenn sich der Staat dafür besser um die Bürger kümmerte. In Ostberlin war die Zustimmung zu solchen Aussagen zwar wie erwartet höher - doch auch im Westen zeigten sich viele Jugendliche einverstanden. Als Basis ihrer Meinung gaben einige Filme wie "Sonnenallee" oder "Good Bye Lenin" an. Und in der Schule sei das Thema "noch nicht dran gewesen".

Was in den Köpfen vieler junger Berliner als DDR-Bild vorherrscht, beschreibt Schroeder fast wie einen Klamauk-Film. "Es ist die Vorstellung eines ärmlichen, skurrilen und witzigen Landes, das aber irgendwie sehr sozial war", sagt er. Lachen kann er darüber nicht. Der Wissenschaftler folgert, dass er nicht nur eine unwissende, sondern auch eine unpolitische und naive Generation vor sich hat - zumindest, wenn es um die jüngste deutsche Vergangenheit geht.

 

Quelle:
Quelle: