Copyright © 2018 Ursula Neumann
Stand: 14.03.2019

Deutschland geht es gut!

“Deutschland geht es gut!”, so sagte einmal unser aller Kanzlerin. Das ist nicht von der Hand zu weisen, denn einem Teil unserer Bevölkerung geht es wirklich gut. Sehr gut sogar! Nämlich rund einem Zehntel oder einem Hundertstel, je nachdem, wo man die Grenze ansetzen will. Die überwältigende Mehrheit aber muss sich mit einer doch eher traurigen Realität herumschlagen. Betrachten wir diese Realität einmal, denn das sich seinem Ende zuneigende Jahr 2017 liefert einen schönen Anlass für so eine kleine, auszugsweise Bilanz.

 - Wir haben eine überbordende Kinderarmut. Was allerdings kein Wunder ist, wenn Lohndumping zur neuen Tugend erhoben wird und den Eltern kein Geld mehr bleibt.

 - Wir haben eine galoppierende Altersarmut. Ja, war absehbar. Nämlich schon in dem Augenblick, in dem Minijobs und H4 eingeführt worden sind. Verschärft wird das Ganze natürlich durch das Lohndumping.

 - Wir haben einen Mindestlohn, von dem keiner leben kann. “Arm durch Arbeit”: Wenn das kein staatlich verordnetes Lohndumping ist, was ist es dann?

 - Wir haben einen Pflegenotstand. Da sind einerseits Leute, die sich für andere aufopfern. Bloß gibt es zuwenig solcher Leute. Weil der Nachwuchs fehlt. Welcher Azubi ist auch schon blöd genug, in seiner Ausbildungszeit mehr zu verdienen als hinterher im fertigen Job, wo er mit 450€ monatlich abgespeist wird und jederzeit vor die Tür gesetzt werden kann?

 - Wir haben ausgehöhlte Arbeitnehmerrechte, die nur noch ein leerer Torso sind. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt’s de facto bei den Minijobs bloß noch auf dem Papier, denn ‘ne Kündigung geht viel schneller. Weihnachts- und Urlaubsgeld, ja wo kommen wir denn da hin? Unbefristete Jobs, die es den Arbeitnehmern gestatten, eine Perspektive zu haben? Deutschland ist doch kein Wohlfahrtsstaat! Überstunden- und Feiertagszuschläge, die das Gehalt aufbessern? Da seien die Abkassierer in Berlin davor! Ein Vierteljahr Probezeit und dann Festanstellung? Wir leben doch nicht mehr im letzten Jahrtausend und guckt doch bitte mal, wie unendlich schlecht es der Wirtschaft und der “Elite” damals ging …

 - Wir haben Abiturienten, denen die Bruchrechnung nicht geläufig ist. Aber wer braucht schon Bruchrechnung, wenn er auf Handy oder Taschenrechner rumhämmern kann?

 - Wir haben Hauptschüler, die am Ende der Schulzeit nicht flüssig lesen können. Das ist aber vielleicht sogar ganz gut so, denn wer weiß, was die lesen würden, wenn sie zum Lesen fähig wären. Am Ende könnte es sich dabei sogar um subversives Schrifttum handeln!

- Wir haben einen eklatanten Fachkräftemangel. Ja, sicherlich! Weil die Jobcenter den Arbeitslosen jegliche Qualifikation aberkennen und weil diejenigen, bei denen das noch nicht geschehen ist, nicht für Hungerlöhne losgehen wollen. Weil “die Wirtschaft” nicht mehr wie früher daran interessiert ist, kompetente Arbeitnehmer weiter zu bilden. Sieht man es nämlich mal rein unter dem Gesichtspunkt der fachlichen Kompetenz (wozu neben dem Abschluss auch die Erfahrung zählt) dann können wir mit den angeblich fehlenden Fachkräften sogar die Straßen pflastern.

 - Wir haben einen mehr oder weniger zusammengebrochenen Binnenmarkt. Weil die Kaufkraft fehlt. Die aber setzt vernünftige Löhne voraus, von denen man auch leben kann. Was wiederum den Gewinn der Wirtschaft schmälert und die Wirtschaft dient uns ja bekanntlich allen, nicht wahr?

 - Wir haben einen erodierenden und immer mehr schrumpfenden Mittelstand. Weil besagter Mittelstand, einst größter Arbeitgeber in Deutschland, auf einen funktionierenden Binnenmarkt angewiesen ist. Bloß gibt’s den nicht mehr.

 - Wir haben kompetente Experten (vornehmlich Sozialwissenschaftler), die den Politikern sagen, was sich wo, wann und wie ändern muss. Aber mal ehrlich: Was wäre das für eine selbsternannte, nahezu allwissende Polit-”Elite”, wenn die sich von jedem dahergelaufenen Experten reinreden lassen würde?

 - Wir haben fachlich inkompetente Entscheidungsträger. Als Beispiele seien nur ein gewisser Christian Schmidt (seines Zeichens Anwalt und eben kein Toxikologe) oder Joschka Fischer (höchste Qualifikation Taxischein), Volker Beck (jahrelanges Kunststudium ohne Abschluss) sowie Katrin-Göring Eckart (ausdauerndes Theologiestudium ohne Abschluss) stellvertretend für viele andere genannt. Doch das spielt keine Rolle mehr, wenn man nur weit genug oben sitzt!

 - Wir haben heute eine bessere Umwelt als früher. Ja, stimmt. Weil wir alle dreckigen und umweltschädlichen Produktionen nach China ausgelagert haben und der Dreck jetzt dort produziert wird. Dauert ja schließlich seine Zeit, bis der irgendwann mal wieder hier ankommt.

 - Wir haben ein Flüchtlingsproblem. Denn wer Waffen säht, der wird Flüchtlinge ernten. Oder, wirtschaftlich ausgedrückt: Wer Waffen exportiert, der importiert auch Flüchtlinge. Mit denen sich anschließend die Löhne drücken lassen.

 - Wir haben ein Jobwunder. Denn wer wundert sich nicht, dass er von drei Jobs gleichzeitig immer noch nicht vernünftig leben kann?

- Wir haben eine fleißige Bevölkerung. Es ist ja nicht so wie früher, als einer arbeiten musste und dadurch vier Mäuler stopfen konnte (wobei sogar noch Rücklagen für Wohnung, Auto und Urlaub übrig blieben). Heute ackert man bei einer Person in vier Jobs gleichzeitig und am Ende des Geldes ist immer noch so verflucht viel Monat übrig!

 - Wir haben eine Bevölkerung, deren IQ beständig sinkt. Und das ist auch gut so! Denn verblödetes Stimmvieh lässt sich am leichtesten führen!

 - Wir haben vor Staat und Konzernen gläserne Bürger. Weil das ja zu unserem eigenen Schutz auch so sein muss! Nur so können Staat und Wirtschaft uns vor uns selbst schützen.

 - Wir haben eine EU, die uns vorschreibt, mit wieviel Watt wir den Staub aus dem Teppich saugen dürfen und mit wieviel Wasser wir alte Bekannte im Klo runterspülen können. Ja, verdammt, sowas brauchen wir doch auch dringend! Merke: Behinderte müssen betreut werden!

 - Wir haben einen Staat, der frei von Korruption ist. Denn bei schwarzen Kassen und Parteispenden handelt es sich ausnahmslos immer und in jedem einzelnen Falle um uneigennützige Zuwendungen von großherzigen Spendern aus der Wirtschaft.

 - Wir haben Superreiche. Ohne die könnten wir einpacken, denn die sichern uns schließlich finanzielle Reserven in Steueroasen.

 - Wir haben Massenenteignung. Oder wie würdest du es bezeichnen, wenn diejenigen, die uns bis 70 arbeiten lassen wollen und gleichzeitig keinen über 40 mehr einstellen, davon profitieren, dass der altersbedingt arbeitslos Gemachte sich von den Früchten seiner Lebensarbeit trennen muss, damit er ein Almosen erhält, das zum Sterben zuviel und zum Leben zu wenig ist?

 - Wir haben eine seit Jahren stetig steigende Rentnerkriminalität. Offiziell liegt das am demographischen Wandel. Aber ob dabei nicht vielleicht doch ein klitzekleiner Zusammenhang mit der Altersarmut existiert? Weil das Sammeln von Pfandflaschen nicht zum Leben ausreicht?

- Wir haben einen Staat, der Obdachlose macht. Das ist sogar sehr sinnvoll, denn Obdachlose werden nicht komplett erfasst, fallen aus der Arbeitslosenstatistik raus und müssen eben sehen, wie sie zurecht kommen. Damit Politiker mit geschönten Zahlen glänzen können.

 - Wie haben eine frühere Arbeitsministerin und heutige Fraktionsvorsitzende, die Ausnahmen des von ihr selbst eingeführten und zu niedrigen Mindestlohnes zu Gesetzen gemacht hat. Nützt das den arbeitenden Menschen oder vielleicht doch eher den Bossen?

 - Wir haben eine Demokratie. Stimmt, allerdings wird in der alles hinter verschlossenen Türen und unter Ausschluss des Volkes ausgehandelt. Wenn ein Bürger mal Rede und Antwort von seinem “Vertreter” verlangt, dann müssen die Fragen vorher abgesprochen und u. U. auch ein Honorar für den “Volksvertreter” vereinbart worden sein.

 - Wir haben ausschließlich Politiker, die all das nicht nur fördern, sondern denen all das noch längst nicht weit genug geht! Die werden immer wieder gewählt und es ist jedesmal die Wahl zwischen Pest und Cholera. Weil wir ein Volk von Idioten sind.

 Jetzt stellt euch mal vor, es gäbe einen Ausländer, dem das alles bekannt wäre. Dem versucht jetzt jemand, dieses Land schmackhaft zu machen. Eigentlich ist das unter diesen Umständen doch nur für zwei Zielgruppen attraktiv, nämlich für Blöde und für Kriminelle. Deutschland geht es gut? Also entweder leiden gewisse, vermeintliche “Volksvertreter” unter schwer behandlungsbedürftiger Amnesie (wenn nicht sogar unter pathologischem Realitätsverlust) oder ich lebe gar nicht in Deutschland …

Quelle: http://quergedacht20.square7.ch/?p=21281